Weltfrauentag – Wie Autorinnen und Kreative die Welt verändern

(Dieser Beitrag erschien auch auf meiner Autorenwebsite)

Heute muss ich euch ein Geheimnis verraten: es gab Zeiten, da fand ich es nicht so super wichtig, für Frauenrechte einzustehen. Und es gab Zeiten, da konnte ich die Bücher anderer Autorinnen nicht lesen, weil ich sie durch die Bank furchtbar fand.

Das waren Zeiten, in denen mein eigenes Selbstbewusstsein winzig klein und es für mich bequem war, so zu denken. Ich habe von mir selbst und meiner kreativen Arbeit zu wenig gehalten, um andere Frauen unterstützen zu können.

Heute sehe ich das anders.

Ich sehe, dass sich gesellschaftlich zwar einiges getan hat, aber ich sehe auch, dass Frauen nach wie vor in vielerlei Hinsicht benachteiligt werden und sich darüberhinaus selbst viel zu wenig zutrauen. Wir können nicht nach Gleichberechtigung schreien und andererseits glauben, dass wir als Frauen ohnehin nichts erreichen können.

Wir leben heute in Zeiten, in denen jeder Mensch alles erreichen kann. Ganz unabhängig davon, woher er kommt und was er hat. Wie? Durch eine positive Haltung und Determination. Das gilt besonders für Mädchen und Frauen.

Gerade deshalb brauchen wir starke Vorbilder, die es für Mädchen und Frauen erstrebenswert machen, selber stark zu sein und etwas erreichen zu wollen. Wir brauchen solche Vorbilder im öffentlichen Leben, in Führungspositionen, in den Medien, in Filmen und in Büchern. Und im letzten Punkt sind wir als Autorinnen und Leserinnen gefragt!

Mir fällt auf, dass meine drei allerliebsten Lieblingsbücher aller Zeiten (#drallze TM) eines gemeinsam haben: sie alle haben starke Protagonistinnen!

Ich mag Prinzessinnen, die sich selber retten können.

Und die sich trotzdem verlieben. Und stark genug sind, um nicht nur sich selbst, sondern auch noch ihre Männer rauszuhauen.

Ich kann die Rückkehr dieser von Autorinnen selbst propagierten Macholiteratur, in denen Frauen ihre gesamte Macht an ihren Liebesgefährten abgeben, einfach nicht ertragen! Männer sind nicht auf dieser Welt um uns Frauen zu retten oder um überholte Rollenklischees zu erfüllen. Wir alle sind hier um uns gegenseitig zu unterstützen und zu fördern.

In den drei Romanen auf dem Foto geht es um junge Frauen, die ihr eigenes Potenzial erkennen, handeln – völlig selbstständig – und ihre Ziele so erreichen. So muss das sein! Wir Mädchen und Frauen brauchen solche Vorbilder in Büchern genauso wie im echten Leben!

Ich liebe diese Themen auch in meinen eigenen Büchern. Weil sie mir ein tiefes Bedürfnis sind. Ich mag Lovestories, ich mag es, wenn sie nur so vor Pathos triefen. Ich brauche das in meinen Büchern. Aber ich brauche keine Prinzessinnen, die gerettet werden müssen. Meine Frauenfiguren dürfen schwache Momente haben – genauso wie meine Männerfiguren das auch dürfen. Sie dürfen sich ihrer Machtlosigkeit in bestimmten Situationen voll bewusst werden – um dann Auswege finden zu können. Wie im realen Leben.

Manche Widrigkeit brauchen wir, um sie besiegen zu können.

Das ist Leben.

In London Hades kämpft meine Heldin Frances sich durch ein frauenfeindliches London im Jahre 1749, das ihren geliebten Matthew verschluckt zu haben scheint. Obwohl sie nichts über die Stadt weiß und völlig ahnungslos in diesen Moloch tritt, nimmt sie es im Laufe des Buches mit der gesamten Dunkelheit auf, die das London der damaligen Zeit zu bieten hat. Oh, sie bekommt dabei männliche Hilfe – von dem schwulen Stricher Henry… Aber das, was sie im Laufe der Geschichte erreicht, schafft sie ganz allein.

In meiner aktuellen Fantasyserie Berlin Monsters treffen mehrere, sehr unterschiedliche Frauenfiguren auf gleich zwei dystopische Welten, die die Chance der Gleichberechtigung von Frauen längst verspielt haben. Dieses Thema hat sich bei der Arbeit mit meinen Protagonistinnen irgendwann so weit verselbstständigt, bis mir bewusst wurde, was für ein wichtiges Anliegen es für mich persönlich ist. Lana, meine Hauptprotaginistin, will aus der ihr auferlegten Rolle als Henkerin Berlins und der Abhängigkeit von ihrem mächtigen Vater ausbrechen. Bei ihrer Rebellion gegen geltende Rollen- und Machtklischees ist ihr zu Anfang jedes Mittel recht. Das wird sich im Laufe der Geschichte ändern… Aber ich will hier nicht spoilern. Wichtig ist die Prämisse von Berlin Monsters: Liebe und Freundschaft und besiegen den Tod.

In welche Richtung gehen wir?

Glaube ich, dass sich unsere Welt im Moment in diese frauenfeindliche, national gesinnte Richtung entwickelt? Das diese Zukunft auf unserer Erde tatsächlich denkbar ist?

Nein.

Weil wir Frauen in den vergangenen 100 Jahren mehr gelernt haben, als unsere Korsetts abzulegen. Weil wir immer mehr begreifen, wie wichtig es ist, gegen all die Traditionalist*innen da draußen zusammenzustehen, die glauben, dass sich unsere Welt nicht verändern müsste und sollte. Weil wir heute wunderbare Kommunikationsmöglichkeiten haben, die uns quer durch die Welt vernetzen. Ich sehe heute so viele Frauen und Mädchen handeln und mutig für Themen einstehen, die ihnen wichtig sind.

Unser Handeln ist unsere Macht! Unser Verstand ist unsere Macht. Es ist unsere Pflicht für uns selbst zu denken, uns zu informieren und unsere eigene Meinung zu bilden.

Auf einem Buch aus dem 1920er Jahren habe ich diese Buchwerbung entdeckt. Bitte beachtet, wer hier die Kulturträger sind: bedeutende Männer. Mit einer Ausnahme: Königin Luise (auch 100 Jahre später noch als Gutmensch sehr verehrt)! Obwohl es auch in den 1920ern schon deutlich wichtigere Kulturträgerinnen aufzuführen gegeben hätte.

WIR sind Kulturträgerinnen!

Macht euch klar, dass ihr, liebe Autorinnen und Kreative, heute Kulturträgerinnen seid. Ihr bestimmt das Bild, das von unserer Zeit in 100 Jahren übrig bleibt. Wie soll es aussehen?

Ich bin lieber eine neue Suffragette, anstatt tatenlos mitanzusehen, wie gierige Pharmakonzerne und rückwärtsgewandte Politiker*innen (um nur einige zu nennen) unsere gemeinsame Welt ruinieren.

Lasst uns über Themen schreiben und sprechen, die uns wichtig sind, Mädels. Lasst uns starke Heldinnen erschaffen, die anderen Frauen Mut machen. Und lasst uns selbst solche Heldinnen sein!

Wir können das. Einzeln, für uns, und alle zusammen!



Ich freue mich von dir zu hören!
Lass mich wissen, was du denkst, wer deine Vorbilder sind und was du über das Thema denkst. Wie sehen deine Erfahrungen aus? Ich bin gespannt, auf deinen Kommentar!


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