Wie Eckhart Tolle dich zu einem besseren Autor macht

eckhart tolle jetzt die kraft der gegenwart

Ich kann mir vorstellen, was ihr jetzt denkt: Wie soll mir denn dieser spirituelle Esoscheiß beim Schreiben oder gar meiner Entwicklung als Autor weiterhelfen?

Ja? Geht es in diese Richtung?

Hab ich zuerst auch gedacht.

Ich bin Wissenschaftlerin. Für mich zählen nachprüfbare Fakten.

Tolles Buch war lange Zeit nicht für mich in Frage gekommen, weil ich mich mit eher spirituellen Ratgebern schwer getan habe. So habe ich z.B. Oshos „Kreativität“ gelesen, viele Aussagen darin für wichtig und richtig gehalten, aber an die große Erleuchtung bin ich nie herangekommen. Ich konnte nicht begreifen, wo der Trick lag. Ich wollte doch nur kreativ sein, Blockaden loswerden und vielleicht das ein oder andere Buch verkaufen. Warum sollte ich denn erst ein „hohler Bambus“ werden, um die Kreativität wieder zum Fließen bringen zu können? Natürlich habe ich es trotzdem versucht – von wegen Erleuchtung und so – so lange, bis ich mir selbst ganz hohl vorkam. Auf eine unangenehme Art und Weise.

Oshos Buch landete im Regal und ich wandte mich weltlicheren Schreibratgebern zu. Aber egal wie viele ich auch gelesen habe, egal wie viel ich daraus lernte, kurze Zeit nach der Lektüre verfiel ich meist in alte Verhaltensmuster zurück: Selbstzweifel, Vermeidung, Projektabbruch, Neuanfang. Erst Tolle hat mir wirklich erklärt, warum ich diesem Teufelskreis nicht entkommen konnte.

Bevor ich mich an „Jetzt“ herangewagt habe, habe ich Bruce H. Liptons „Intelligente Zellen“ gelesen, und ohne diese Lektüre hätte ich Tolles Ausführungen vermutlich als nächste Osho-Erfahrung abgetan. Der Zellbiologe Lipton hat mein Bewusstsein dafür geschärft, dass sich Wissenschaft und Spiritualiät nicht ausschließen, sondern sogar bedingen. Von ihm habe ich gelernt, dass wir selbst, die Welt um uns herum und das Universum aus demselben „Baustoff“ bestehen: aus Energie. Und dass wir selbst bestimmen können, wie wir unsere Energie einsetzen. Ob wir glücklich sind oder traurig, aktiv oder lethargisch, bestimmen wir selbst. Lipton hat mir die Beweise dafür geliefert, dass das, was Tolle sagt, eine wissenschaftlich nachvollziehbare Grundlage besitzt. Der Schlüssel zu Vorankommen oder Stagnation liegt in unseren Körperzellen verankert.

Allerdings blieb Lipton mir eine Erklärung dafür schuldig, wie, um alles in der Welt, ich denn meine Zellen dazu bringen sollte, mich zu einem glücklicheren, freieren Mensch und Autor zu machen. Das hat nun Tolle nachgeholt.

Im ersten negativen Review, das ich zu „Jetzt“ gelesen habe, beschwerte sich jemand, Tolle würde seine Leser dazu auffordern, das Denken einzustellen.

Ich war skeptisch und als ich an die entsprechende Stelle im (Hör-)buch kam, ging ein Teil von mir sofort auf die Barrikaden. Das Denken einzustellen konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Am liebsten hätte ich entrüstet abgeschaltet, ich, die ich mir schon vor Wochen laut gewünscht hatte, genau das mit meinem überaktiven Denken machen zu können. Glücklicherweise, habe ich dem Impuls nicht nachgegeben, denn nach einer Weile ging mir auf, wovon Tolle tatsächlich sprach (und was vermutlich schon Osho versucht hatte, mir beizubringen). Es geht nicht darum, sein Denken vollständig aufzugeben. Es geht darum, dass wir unser Denken wieder wie ein Instrument beherrschen und einsetzen, und uns nicht umgekehrt von ihm beherrschen lassen. Tolle spricht von dem ÜBER-denken, das die meisten von uns jeden Tag quält, in Form von Selbstzweifeln, Ängste, Sorgen, Unsicherheit usw.: Ist meine Geschichte gut genug? Bin ich gut genug? Was passiert, wenn mein Buch sich nicht verkauft? Was ist, wenn ich nicht genug Geld verdiene? Werde ich überleben? Werde ich jemals glücklich sein? Also genau die Art von quälenden Gedanken, die uns das Leben so richtig schwer machen, und von denen ich mir in der jüngeren Vergangenheit unzählige Male gewünscht habe, ich könnte sie einfach abstellen.

Tolle sagt: das geht!

Und nach dieser Lektüre kann ich mir das sogar sehr gut vorstellen.

Ein Leben ohne Sorgen und Probleme ist genau dann möglich, wenn wir ganz im Jetzt leben.

Wir können nicht mehr beeinflussen, was gestern passiert ist und wir haben keinen Einfluss auf zukünftige Ereignisse. Wir haben nur eine Möglichkeit, um zu handeln und die ist genau jetzt. Wir geben nicht in der Zukunft das Rauchen auf und können nicht mehr verhindern, es in der Vergangenheit angefangen zu haben. Aber wir können jetzt die bewusste Entscheidung treffen, unsere Süchte, falschen Glaubensgrundsätze und Blockaden aufzugeben. Wir können uns jetzt dafür entscheiden, unsere Geschichte zu schreiben, uns hinsetzen und es tun. Alles, was wir dafür tun müssen, ist schreiben und überflüssige Gedanken (wie: wann werde ich publizieren, wie werde ich publizieren, werde ich damit Erfolg haben?) ausblenden.

Wir haben jetzt die Kraft, unsere Lebenssituation zu ändern. Wir müssen dafür nicht unsere ganze Welt auf den Kopf stellen. Wir müssen nur den einen Schritt tun, den wir jetzt tun können, z.B. uns hinsetzen und schreiben. Oder ein Lektorat kontaktieren. Oder ein Coverdesign beauftragen. Oder es selbst machen.

Welches Problem habt ihr jetzt gerade, in genau diesem Moment? Ich habe keins, mir geht es in dieser Sekunde gut. Ich bin handlungsfähig. Ich entscheide, diesen Artikel zu schreiben.

Tolle vertritt glaubhaft die These, dass das, was uns davon abhält, wirklich glückliche und produktive Autoren zu sein, unser Ego ist. Das Ego setzt sich zusammen aus all den Konditionierungen, Glaubensgrundsätzen und Lebensumständen, die unser Leben geprägt haben. Stammst du aus einem Umfeld in dem es keine Künstler gibt? Glaubst du von dir selbst, dass du trotzdem ein Künstler sein könntest? Brauchst du als Erlaubnis dazu Erfolge wie Instagramfollower, Klicks bei Wattpad oder Sweek, einen Verlagsvertrag, ein publiziertes Buch? Das ist dein Ego. Etwas von dem du glaubst, dass es dich ausmacht.

Tolle sagt: Das ist nur etwas, das dein Kopf produziert hat und als real ansieht.

Unser Ego schreibt keine Bücher.

Es hält uns davon ab, indem es uns immer wieder dieselben Sätze vorspielt: du bist nichts / das kannst du nicht  / deine Bücher werden floppen / du wirst in Armut leben / alle werden dich auslachen. Und es tarnt diese Dinge als rationale Gedanken. Schließlich sind wir nur vorsichtig, wenn wir alles gut durchdenken. Es könnte ja so viel passieren… Was aber in erster Linie passiert, ist, dass wir keine Bücher schreiben.

Unser wahres Ich schreibt Bücher. Der Teil von uns, der nichts lieber als den ganzen Tag Geschichten erfinden und darin schwelgen möchte. Der Teil, der beim Schreiben glücklich ist, der nachts mit der Geschichte einschläft und morgens damit aufwacht, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob das Ganze gut ist oder Chancen auf Erfolg hat.

Es ist wichtig, diese beiden Teile klar zu identifizieren und zu wissen, welcher gerade am Ruder ist, wenn du schreibst.

Tolle fordert uns dazu auf, unsere Lebenseinstellung zu reflektieren und die falschen Denkmuster zu entlarven, damit wir ganz im Jetzt leben können.  Es ist ein tolles Erlebnis, wenn dir zum ersten Mal auffällt, dass du dein Denken bewusst beobachten kannst und – noch besser – dadurch sogar in eine positivere Richtung beeinflussen kannst.

Es gibt nur diesen Moment, um dein Buch zu schreiben.

Wenn dir dabei negative Gedanken kommen, beobachte sie, frage dich vielleicht woher sie kommen, aber mach dir vor allen Dingen klar, dass sie nur Teil deines Egos sind, deines anerzogenen Selbst, und nicht dein wahres Ich, der Mensch als der du auf die Welt gekommen bist.

Wenn dir das alles zu esoterisch klingt, lies zuerst Lipton und lass dir erklären, auf welche Weise unsere Lebenseinstellung genetisch in uns verankert ist und warum wir trotzdem jederzeit etwas daran ändern können.

Ich kann mir vorstellen, dass Tolles Ideen eine großartige (wenn nicht sogar die einzige) Möglichkeit darstellen, ein wirklich glückliches und befreites Leben zu führen. „Jetzt“ war für mich eine große Erleichterung. Das Buch hat mir eine große Last von den Schultern genommen, und dazu geführt, dass ich viele Dinge, nicht mehr so schwer nehme und Probleme gezielter angehen kann. Ich fasse ein Ziel ins Auge und  konzentriere mich auf die Arbeit, die ich jetzt dafür tun kann, ohne mir auszumalen, wie es in der Zukunft ausgehen könnte. Ich denke nicht mehr darüber nach, ob ich Bestsellerautorin und superreich werde oder ob mein Buch total floppt und ich für immer tieftraurig sein werde. Alles was ich dafür tun muss, ist das, was mir am allermeisten Spaß macht: Schreiben.

Jedes Problem gehe ich in dem einzigen Moment an, in dem ich es greifen kann: Jetzt.

Die Methode voll und ganz umzusetzen braucht sicher Zeit, man darf nicht von heute auf morgen erwarten, glücklich, zufrieden, schmerzfrei, ausgeglichen und in Harmonie mit sich selbst, allen Menschen und seiner Umwelt zu leben. Aber es tut gut, zu wissen, dass es geht, das man relaxt leben und trotzdem – oder gerade deswegen- seine Ziele erreichen kann. Ich habe bereits erste Erfolge festgestellt.

In den vergangenen Wochen habe ich einige Dinge ausprobiert, die ich immer gerne machen wollte, ohne sie mir zuzutrauen. „Wenn du das tust, wirst du dich total blamieren!“, war dazu die Standardtagline. Ich habs trotzdem gemacht und mich in genau den Momenten immer erstaunlich sicher gefühlt. Ich war klettern, bin endlich wieder laufen gegangen, habe mich mit einem Go-Cart einen Berg hinuntergestürzt, Gespräche mit fremden Menschen geführt (mein Nemesis!), und war danach nicht peinlich berührt von mir. Weil ich mich erst auf das jeweilig anstehende Problem konzentriert und mir hinterher klar gemacht habe, dass ich nachträglich am Verlauf der Situation ohnehin nichts mehr ändern konnte.

Und? Es hat geklappt. Ich habe meine Angst in den Momenten überwunden, in denen ich etwas konkret getan habe. Ich habe gelernt, das ich viel mehr kann, als ich mir zutraue. Das Gefühl ist großartig. Und es lässt sich genauso aufs Schreiben übertragen.

Ohne Wenn und Aber Bücher zu schreiben – ist es nicht genau das, was wir alle wollen?

Ich werde euch berichten, wie es mir mit dieser Methode ergeht. Bis dahin empfehle ich jedem, der sich ähnlich blockiert fühlt und unzufrieden mit dem ist, was er bisher erreicht oder sich zugetraut hat, die Lektüre von Eckhart Tolles „Jetzt. Die Kraft der Gegenwart“. Wenn ihr eine Einstiegshilfe braucht, weil ihr erst Fakten sehen wollt, lest zunächst Lipton. Und dann lasst euch auf Tolle ein und hört dem Mann zu, bevor ihr vorschnell aussteigt, so wie ich es vorhatte, weil seine Aussagen meine wunden Punkte trafen und das Weltbild meines Egos in Frage stellten.

Das alles hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern mit einem bewussten Leben, voll selbstbestimmter Entscheidungen und gesundem Vertrauen.


© 2018 Stefanie @literarychallenged. Alle Rechte vorbehalten!


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  3. Ich kann JEDES Wort von Dir unterschreiben. Ziemlich ruhelos, wegen der Lektüre „Jetzt“ von Tolle, (mehrfach gelesen, aber immer wie ein „Buch mit sieben Siegeln“) bewege ich mich im internet und finde genau Deine Seite hier. Ich bin mir ganz sicher und weiß, daß Herr Tolle richtig liegt. Alles andere, was ich je gelesen habe, läuft darauf zu. Das hat wirklich nichts mit Esoterik zu tun. Von Tag zu Tag wird mir klarer, der Mann beschreibt einfach nur, wie alles ist. Gleichzeitig wird mir klar, wie falsch ich mit meinen Einstellungen war/bin. Das ganze ist jetzt für mich wie ein unüberwindbarer Berg. Wie ist das zu schaffen, die neuen Erkenntnisse unzusetzen, wo sich so viel in einem etabliert hat, über Jahrzehnte hinweg? Ich habe erhebliche Schwierigkeiten damit. Aber ich bin froh, das hier von Dir zu lesen – Du scheinst an einem ähnlichen Punkt zu sein. schreib bitte weiter über Deine Erfahrungen in Bezug auf Eckhart Tolle und „Jetzt“.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich weiß, dass es zunächst schwierig klingt, umzusetzen, was Tolle sagt. Ich habe es mir am Anfang auch unendlich schwer gemacht. Dabei ist es ganz einfach! Es braucht ein wenig Übung, negative Gedanken abzuschalten, wenn sie entstehen. Denn dazu muss man sie als negative Gedanken erkennen. Aber alles, was es dazu braucht ist nur ein klein wenig Achtsamkeit und Geduld mit sich selbst. Wir sind auf dieser Welt um unser Leben voll und ganz auszukosten und dabei schöne Erfahrungen zu machen. Wer hindert uns daran? Wir selbst. Ich bin mir früher selbst im Wege gestanden, indem ich mir gesagt habe: du bist zu dies, du bist zu das und du bist auf alle Fälle nicht so gut wie andere Leute (meine Vorbilder) zum Beispiel.

      Seid ich aufgehört habe, meinen negativen Gedanken Gewalt über mich zuzugestehen, geht es mir großartig. Der wichtige Moment ist, zu begreifen, dass wir nicht unsere negativen Gedanken sind, denn sonst könnten wir ihnen nicht zuhören. WIR sind derjenige der zuhört. Die Gedanken sind das unnötige Blabla, das uns unsere Umwelt anerzogen hat, unsere Sozialisierung sozusagen. Es handelt sich meist um negative Glaubensgrundsätze, die wir verinnerlicht haben. Ideen wie: Kunst ist brotlos, immer schön bescheiden sein sonst blamieren wir uns, im Alter wird man zum Pflegefall und baut geistig ab, die Liste ist endlos. Ich glaube mittlerweile, dass all diese Dinge tatsächlich eintreffen werden – wenn wir daran glauben.

      Seid ich mit Tolle und Lipton gelesen habe (zuletzt kaum auch noch Rhonda Byrne hinzu – ganz große Empfehlung!) und ich diese Prinzipien umsetze, sehe ich Veränderungen in meinem Leben. Kleine Wunder sind schon passiert und alles, was dazu nötig war, dass ich meine negative Sicht auf das Leben losgelassen habe. Was passiert ist ist vorbei und morgen kann ich nur dann beeinflussen, wenn ich JETZT positiv denke. Ich weiß, dass alles gut werden wird. Ich habe neue Pläne, Wünsche und Ideen und einige davon, sind schon wahr geworden. Mach dir nicht so viele Gedanken über das WIE. Jeder Tag ist schön, wenn man ihn positiv gestimmt beginnt. Ich habe z.B. damit begonnen für all die Dinge dankbar zu sein, die ich jetzt schon habe. Und danach für die Dinge, die ich noch erreichen werde. Dann starte ich in den Tag mit der Vorfreude darauf, diese Dinge zu verwirklichen.

      Also, mein Rat: mach es dir nicht so schwer. Lebe! Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist ideal um neue Pläne zu schmieden und positiv in die Zukunft zu sehen. Überlege dir, wo du dich Ende 2019 siehst. Wie willst du sein, wie willst du gesehen werden, was willst du erreicht haben, was willst du besitzen? Schreibe es am besten ganz genau auf, so detailreich wie möglich. Stell dir vor, du bist schon da, und du schreibst deinem 2018er Selbst, wie froh und dankbar du dafür bist, an diesen Punkt gekommen zu sein. Und dann geh mit dieser Einstellung in das neue Jahr, glaube daran, dass du es erreichen kannst und lebe danach, jetzt, jeden Tag.

      Ich wünsche dir viel Kraft und Stärke, und dass du erreichst, was du dir wünscht. Du kannst das! Wir alle können es. Wir können jederzeit unsere Leben zum Besseren ändern. Und eigentlich wissen, wir immer ganz genau, was wir wollen. Wir glauben nur nicht, dass wir es erreichen können.

      Liebe Grüße,
      Stefanie