Wie erschafft man das Leben seiner Träume? – Ein Tag mit Mike Dooley

Mike Dooley in Frankfurt
Mike Dooley in Frankfurt

Es gibt einen Mann, der hat einen großen Anteil daran, dass ich heute ein Leben führe, das ich liebe. Ein Leben, das jeden Tag besser wird, das (schon fast völlig) frei von Sorgen ist und in dem ich Dinge tun darf, die ich liebe (und dafür sogar bezahlt werde). Erst zwei Jahre ist es her, da war ich am dunkelsten Ort meines Lebens. Mike Dooley hat mich da rausgeholt. Am vergangenen Donnerstag durfte ich ihn bei seinem Workshop „Playing the Matrix – A Course on Living Deliberately and Creating Consciously“ in Frankfurt treffen. Und es wurde ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe…

Fangirling

Egal wie alt ich werde, das Fangirl in mir wird wohl niemals sterben. Vor Jahren hatte mein Freund (und jetziger Mann) dieses kleine Metal-Fanzine, dass ihm erlaubte, die allercoolsten Bands zu treffen. Durch seine Verbindungen stand ich eines Tages vor meiner damaligen Lieblingsband Sentenced. Wir hatten beschlossen, dass ich das Interview führen sollte, weil ich am meisten über sie wusste. Ich hatte mich gut vorbereitet: abgefahrenes Outfit, perfekt ausgefeilter Fragenkatalog, hoher Coolnessfaktor. Dann war es so weit, die Jungs standen vor mir, der Sänger begrüßte mich, und ich … bekam keinen Ton mehr heraus … also, abgesehen von meinen heruntergestotterten Fragen und Peinlichkeiten wie: „Do you like german beer?“ und „Oh yeah, I’m probably your biggest fan…“

In Frankfurt war das Fangirl wieder zurück. Mike Dooley ist ein Idol, ein Rockstar ohne Bandbackground. Und egal wie gut ich mich diesmal vorbereitet zu haben glaubte, als ich vor ihm stand, hatte ich keinen flotten Spruch mehr auf den Lippen und mein Englisch (dass ich geschäftlich jeden, verdammten Tag benutze) klang wie das einer Achtklässlerin! Es war erbarmungswürdig.

Ich (noch im Hotel, vor dem Spiegel): „Oh, Mike, vielen Dank, dass du mein Leben so veränderst hast! Dies und das ist schon passiert…“

Ich (später, vor Mike): *weint*

Ja, weint… Und sagt so etwas Blödes wie: „I felt like crying since I entered this room two hours ago.“

Und Mike Dooley nimmt mich in den Arm.

Mike Dooley Fangirling
Die Hard Fangirling –
Später ist es mir tatsächlich noch gelungen ein halbwegs vernünftiges Bild mit Mike zu schießen…

Das Fangirl schreit stumm in sich hinein. Mein introvertiertes Ich holt das weiße Bettlaken raus und winkt SOS. Mike sagt, ich könnte gleich gerne noch meine mitgebrachten Bücher signieren lassen. Ich glaube, dass ich niemals zurückkehren werde, stürze Richtung Buffet und erwarte die alte Scham: „Wie konntest du nur?! Du wolltest doch XYZ sagen. Du hast dich bis auf die Knochen blamiert!“ Doch, verrückt, diesmal kommt sie nicht. Stattdessen treffe ich zwei nette junge Frauen in der Essensschlange und mein extrovertiertes Ich macht Smalltalk.

Es gibt einen Teil von mir, der beobachtet stumm, was mit mir vorgeht und manchmal kann er sich nur noch wundern. Mein ganzes Leben lang habe ich geglaubt, ich wäre für die meisten Dinge zu introvertiert und sensibel und was ich am besten könnte, wäre, sich peinlich aufzuführen (Ich besitze sogar ein T-Shirt auf dem steht: Awkward is my speciality – damit die Leute schon mal gewarnt sind) . Wenn mir früher jemand gesagt hätte, wie einfach es ist, diese Stimme auf stumm zu schalten und weiterzumachen, ich hätte nicht nur gelacht, ich wäre verdammt wütend geworden. Denn schließlich wusste ich, dass das Leben für Hochsensible überhaupt nicht einfach, sondern schrecklich kompliziert ist, eine Aneinanderreihung von Falltüren – plumpsdibums sitzt man in der nächsten drin und ärgert sich.

Diese auf Leistungen und Erfolge fixierte Welt ist halt nicht für kreative Menschen gemacht…

Es ist leicht diesen Eindruck zu gewinnen.

Es sei denn man liest Mike Dooleys Bücher und begreift, dass es nur eine einzige Person gibt, die dafür verantwortlich ist, wie unser Leben verläuft, wie leicht oder schwer es ist: Die Person, der wir jeden Tag im Spiegel ins Gesicht schauen.

Mike Dooleys "Matrix der Wunscherfüllung"
Trophäen

Mit seinen „Notes from the Universe“ inspiriert Mike Dooley seit 17 Jahren Menschen rund um den Globus. Tagtäglich erinnert dieser E-Mail-Service seine Abonnenten daran, was sie alles erreichen können. „Gedanken werden Dinge“ – ist Mike Dooleys Prämisse.

Und wenn wir ehrlich sind, wissen wir alle, dass das genauso ist. Wenn wir wollen, das unser Leben kompliziert und eine Falle ist, wird es das sein. Wie oft warten wir darauf, das schlechte Dinge eintreffen werden? Und wenn es nur so Banalitäten sind wie: Das Wetter im Urlaub wird bestimmt furchtbar. Ich werde auf jeden Fall den Zug verpassen. Heute Nacht kann ich bestimmt wieder nicht schlafen. Oder der Klassiker: Das schaffe ich nie!

Jeden Tag denken wir deutlich mehr schlechte Dinge, als gute. Dabei hat die Wissenschaft längst herausgefunden, dass positives Denken sich auf unsere Gesundheit auswirkt, den Verlauf von Krebs- und Herzerkrankungen förderlich beeinflusst und Burnout vorbeugt. Bruce Liptons Buch „Intelligente Zellen – Wie Erfahrungen unsere Gene steuern„* liefert Belege dafür, dass sich unsere Gedanken sogar auf unsere Körperzellen und Gene auswirken. Dieses Buch habe ich hier bereits kurz vorgestellt.

Mein Leben wurde in dem Moment besser, in dem ich beschlossen habe, dass es mir gar nicht so schlecht geht.

Dass ich ihm Gegenteil eigentlich sogar gut dran bin, und alles nur noch besser werden kann. Ich sage nicht mehr: Das schaffe ich nicht. Sondern: Klar schaffe ich das auch. Und das Verrückte ist, dass das funktioniert.

Ich habe keine kreativen Blockaden mehr, weil ich immer schreiben kann, immer eine Collage gestalten, immer einen Blogpost oder ein Instagram-Posting verfassen. Ich kann eine neue Produktlinie für mein Geschäft entwickeln und nebenbei reichlich Zeit zum Schreiben finden. Ich kann Smalltalk mit Fremden machen und mich dabei gut fühlen. Ich habe den Kampf mit mir aufgegeben. In der Zeit, die ich dadurch gewonnen habe, arbeite ich endlich effektiv an meinen Träumen.

Natürlich gibt es immer noch Tage, an denen ich mich gerne zurückziehe. Aber ich jammere nicht mehr darüber, und allein das macht schon viel aus. Denn der einzige Moment, in dem wir etwas an einer schlechten Situation verändern können, ist immer das Jetzt.

Ein Blick in das Notizbuch, in dem ich Bilder und Ideen davon aufbewahre, wie mein ideales Leben aussehen sollte (eine Art Visionboard in Buchform sozusagen – auch das eine Empfehlung von Mike Dooley), und ich weiß, wofür ich weitermache. Selbst wenn meine Energie niedrig ist und ich Ruhe brauche, eine Kleinigkeit kann ich zur Verwirklichung meiner Träume an jedem Tag beitragen. Das Gefühl etwas getan zu haben, was für mich Sinn macht, ist unbezahlbar.

Die richtigen Stimmen hören

Dennoch, als ich ich nach Frankfurt gefahren bin, war ich verunsichert. Manche Resultate ließen auf sich warten wie eine Bimmelbahn, und obwohl ich wusste, dass sich auch dann Dinge bewegen, wenn man sie noch nicht sehen kann, hatte ich das Gefühl, etwas falsch zu machen. Vielleicht hatte ich Mikes Bücher ja doch nicht richtig verstanden?

Nach dem Workshop war mir klar, dass ich längst mehr Antworten als Fragen habe und überraschenderweise zu den Glücklichen gehöre, die ziemlich genau wissen, wo sie hinwollen. Und das war es wert. Am Ende des Tages sind wir alle bloß Kinder, die regelmäßige Validation brauchen, einen Fingerzeig, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Es hat mir geholfen, zu hören, dass selbst Mike Dooley, der das beste Beispiel für „Gedanken werden Dinge“ ist, manchmal zweifelt. Es hat mir Bestätigung gegeben, als er in einem Nebensatz erwähnte, dass es darauf ankommt, den richtigen Stimmen in seinem Kopf zuzuhören und die falschen einfach auszublenden.

Wir sind immer dann auf dem richtigen Weg, wenn wir unseren Träumen folgen. Es gibt keinen magischen Trick, der uns alles verschafft, was wir wollen. Die Magie erschaffen wir selbst. Gerade als Kreative.

Wir alle tragen einen besonderen Traum in uns. Und auch, wenn wir manchmal glauben, den Weg nicht genau zu kennen, zu viele verrückte Ideen zu haben oder einfach nicht zu wissen, was wir werden wollen, wenn wir groß sind, gibt es etwas tief in uns , das sehr genau weiß, was wir wirklich brauchen und wollen. Ich glaube, dass gerade kreative Menschen Schwierigkeiten haben, ihren Weg zu finden, weil die Möglichkeiten so unendlich groß erscheinen. Ehe wir uns auf das falsche Pferd setzen, steigen wir lieber erst gar nicht auf. Ich habe das jahrelang auch getan. Mich ein wenig hier kreativ betätigt, dann wieder ein bisschen da und stark auf vertraute, sichere Bahnen gesetzt. Obwohl ich mein Leben lang wusste, dass ich Bücher schreiben will.

Rauf auf’s Pferd

Mein Eindruck nach dem Workshop ist: das geht vielen Menschen so. Ich möchte die verrückte These aufstellen, dass die meisten von uns im Grunde genommen sehr genau wissen, was sie machen möchten oder wer sie sein wollen. Wir trauen uns einfach nur nicht, uns darauf festzulegen. Denn es gibt ja noch hundert andere Wege, die erfolgsversprechend scheinen.

Doch was bedeutet es für uns, wenn wir uns niemals ausleben, unseren ganz großen Traum niemals wahr machen? Der Weg in die Depression ist kurz. Plötzlich sehen wir uns um und erkennen unser Leben nicht wieder. Und noch schlimmer: wir wissen gar nicht, was eigentlich schief gelaufen ist. Wenn ich mich nicht endlich bis in die letzte Konsequenz für die Schriftstellerin in mir eingesetzt hätte, wäre ich gestorben.

Mixed Media Collage - There flowed in her veins
Kurz nach dem Workshop entstanden:
Collage aus meinem Art Journal
„There flowed in her veins…“

Heute geht es mir gut. All die kreativen Ängste, die drückenden Sorgen haben sich an dem Tag aufzulösen begonnen, an dem ich den Entschluss getroffen habe, dass mein Leben leicht ist und ich kann. Egal wie sehr ich früher geglaubt habe, es wären riesige, umwälzende Maßnahmen erforderlich, um mich ausleben zu können, alles was es im Endeffekt brauchte sind die „Baby Steps“, von denen Mike Dooley spricht. Wenn wir jeden Tage auch nur einen Schritt in die richtige Richtung machen, löst dieser Schritt etwas aus, setzt Dinge in Bewegung, gibt uns Erfolgserlebnisse.

Wie schon Eric Maisel in seinem Buch „Why smart People hurt – A Guide for the Bright, the Sensitive and Creative„* ausführt, braucht jeder Mensch ein Ziel, für das es sich lohnt, jeden Tag einen Schritt zu tun. Und wenn es sich zuerst nicht deutlich zeigt, dann hilft Mike Dooleys Methode, erst einmal alle Optionen zusammenzustellen und sie auszuprobieren. Wenn wir lernen, uns zu vertrauen, zeigt sich der richtige Weg schließlich ganz von selbst. Und oft sieht er verblüffend anders aus, als wir erwartete haben.

Mike Dooley zeigt, dass es einfach ist, ein kreatives, selbstbestimmtes Leben zu führen. Dass ein spielerisches Herangehen besser ist, als jede kreative Kriegserklärung. Wir sind nicht hier um zu leiden, sondern um ein Abenteuer zu erleben. Und die Regie führen wir selbst.

Ich danke dem Frankfurter Ring, der Mike Dooleys Welttour für diesen einen Tag nach Deutschland gelenkt hat. Zu sehen, dass sensible Menschen anderen Hoffnung und Richtung geben können, war eine Offenbarung. In einer Welt, in der oft nur die Lautesten auf der Bildfläche erscheinen, ist er einer der Leisen, die trotzdem gehört werden und gerade deshalb Erfolg haben. Seine Botschaft: Ihr könnt das auch!

Mike Dooley Bücher und mein "Visionboard"
Zwei von Mike Dooleys zahlreichen Titeln und mein „Visionboard“-Notizbuch

Von Mike Dooley auf Deutsch erschienen:

Die deutschen Titel klingen für mich immer noch ein wenig nach Esoterik-Hokuspokus. Ich habe damals mit „Infinite Possibilities“ begonnen, was meinen Wissenschaftskopf deutlich mehr angesprochen hat. Lasst Euch von den Titeln nicht abhalten.

Mehr Bücher von Mike Dooley findet Ihr hier.

Mikes Website TUT (Thoughts become Things) informiert über alle seine Publikationen, Hörbücher, Events und Neuigkeiten. Und natürlich könnt Ihr dort auch seine Notes from the Universe abonnieren, etwas, das ich sehr empfehle!


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© 2019 Stefanie Dettmers. Alle Rechte vorbehalten!

Schluss mit frustig!

Ich weiß ja nicht, wie es bei euch aussieht, aber ich komme gerade aus einer Phase, in der hat sich alles im Schneckentempo voranbewegt. Und in letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass mir auch aus meiner geliebten Buchcommunity statt des üblichen Enthusiasmus und Hey-Ho-Let’s-Go ganz viel Frust und Unzufriedenheit entgegenschwappen. Ich bin ja eigentlich eine Verfechterin der These, dass uns Optimismus überallhin bringen kann. Aber ich muss zugeben, dass mir diese Stimmung selbst zu schaffen macht. Ihr wisst schon, dieses Gefühl: nichts geht wirklich voran und man ist unzufrieden mit sich selbst, ohne zu wissen warum. Liegt es da nicht nahe, einfach die Flinte ins Korn zu werfen?

Oh, hallo, Selbstzweifel….

So beschissen

So, da haben wir’s. Manchmal fühlen wir uns halt einfach beschissen. Jeder. Auch die Großen (Justin Bieber soll ja gerade eine furchtbare Zeit durchmachen…). Für diejenigen unter euch, die astrologisch interessiert sind (alle anderen springen einfach zum nächsten Absatz): Merkur, der Planet unserer Kommunikation, des Handelns und Selbstausdrucks (besonders wichtig für Schriftsteller und Künstler), ist gerade rückläufig und blockiert unseren Elan sowie weiteres Vorankommen. Zusammen mit einigen anderen herausfordernden Aspekten sorgt er dafür, dass wir aktuell besonders anfällig für Selbstzweifel sind. Die gute Nachricht: ab dem 28. März ist es damit erstmal wieder vorbei (bis Juli).

Wichtig ist jetzt nicht WIE beschissen wir uns fühlen. Es zählt nur, wie wir mit solchen Phasen umgehen. Und was wir daraus lernen.

Ich habe z.B. gerade das Gefühl, dass bei mir all die ganzen alten Themen wieder auf den Tisch kommen, die mich jahrelang davon abgehalten haben, mehr zu tun, als nur vom Schreiben zu träumen (auch ein Symptom des rückläufigen Merkurs, nebenbei bemerkt). Und es ist so verlockend, ihnen einfach nachzugeben und in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Wir lieben doch Dinge, die sich vertraut anfühlen und dadurch Sicherheit versprechen – warum also nicht einfach nachgeben? Ich könnte mir nicht Schöneres vorstellen, als mich einfach nur zurückzuziehen, ganz klein und unauffällig zu machen, so wie früher. War das damals nicht schön? So unaufgeregt? So versteckt? Ohne tonnenschwere Verantwortung?

Du hast eine goldene Feder

Nein. War es nicht.

Es war furchtbar. Es war beengt, ein Korsett, in das ich mich selbst gesteckt hatte. Und zum Glück führt dahin kein Weg mehr zurück (allein schon weil ich diesen Blog habe und ihr Content wollt =D).

Diese Sicherheit, die unsere alten Verhaltensmuster zu versprechen scheinen, gibt es nicht. Mach einen Schritt zurück und du bist wieder im alten Elend.

Atmen wir also stattdessen erst einmal tief durch, und überlegen, ob es nicht sogar gut ist, wenn uns das Leben manchmal zwingt, innezuhalten, zurückzuschauen und darüber nachzudenken, welchen Weg wir schon zurückgelegt haben. Vielleicht sind wir längst nicht mehr die Alten, weil wir uns verändert haben? Wie viel Weiterentwicklung würde es in unserem Leben geben, wenn es ein seichtes Dahingleiten wäre und nicht manchmal auch Kampf?

Diese Phasen der Stagnation und Unsicherheit zwingen uns dazu, unsere Verhaltensweisen und Ziele auf den Prüfstand zu holen und zu begreifen, was uns wirklich wichtig ist. Wo wollen wir hin? Wie müssen wir uns dafür verhalten? Welche Fähigkeiten fehlen uns dazu noch (Geduld, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein genauso wie praktische Fähigkeiten, z.B. das Beherrschen einer neuen Software, künstlerische Techniken, Marketingstrategien)? Jetzt ist der Moment, um sich selbst zu reviewen. Finden wir heraus, wo es hakt und legen wir unseren Finger genau in diese Wunde. Das tut höllisch weh, aber es holt uns aus unserem selbstgeschaufelten Loch wieder heraus.

Wir servieren heute: eine große Portion Unzufriedenheit

Für mich fühlt sich diese Phase an, wie meine furchtbarste, ängstlichste Zeit vor ein paar Jahren. Alles, was ich damals gefühlt habe, komprimiert auf kleinstem Raum. Wie auf einem Teller, der mir nochmal vorgesetzt wird, damit ich mir genau ansehen kann, was darauf ist.

Ganz egal was gerade auf eurem Teller liegt, die gute Nachricht ist: Ihr müsst das alles nicht noch einmal aufessen. Diesmal wird aussortiert nach Herzenslust. Ihr behaltet nur, was euch wirklich schmeckt.

Wenn ihr jetzt mit euch unzufrieden seid, ist das ein Zeichen dafür, dass ihr euch verändert habt und bestimmte Verhaltensmuster nicht mehr zu euch passen. Das ist großartig. Ihr habt jetzt die Gelegenheit, sie nachhaltig zu verändern. Etwas will aus euch heraus, gesehen und gehört werden. Wenn ihr es ignoriert, wird eure Unzufriedenheit nur größer werden.

Auch wenn es im Moment wehtut –

und sich das Leben unfair oder unmöglich anfühlt, auf der anderen Seite wartet längst etwas Großes, Belohnendes auf Euch. Und sind wir mal ehrlich: Manchmal können wir es doch schon wie durch eine Milchglasscheibe sehen, oder? Ja, es ist ätzend, dass wir noch nicht herankommen. Aber es gibt Zeiten im Leben, in denen man sich einfach darauf verlassen muss, dass es existiert und alles in den richtigen Bahnen verläuft, auch wenn man es noch nicht sehen kann. Schon bald werden wir über diese Situation lachen und sagen: „Ach, damals wusste ich einfach noch nicht, wie viel großartiger alles werden würde.“

Es gibt halt diese Tage, die ziehen sich wie Kaugummi. An denen glauben wir fest an unsere Unwürdigkeit. Bis dann auf einmal das Licht im Kopf angeht.

Die Unzufriedenheit, die wir aktuell erleben, ist nur ein Test unserer Determination: Wie sehr wollen wir es? Können wir widrige Situationen überstehen?

Machen wir weiter?

Wir haben nur dieses eine Leben als genau diese Person, die Bücher schreiben oder Künstler sein will. Also tun wir das auch. Wie oft haben wir schon aufgegeben, uns von der Meinung anderer abhängig gemacht, anstatt auf unsere eigenen Stimme zu hören, die genau weiß, was für uns gut ist. Wie oft haben wir drei Schritte vom Ziel entfernt aufgegeben ohne überhaupt zu bemerken, wie nah wir dran waren?

All das kommt in Phasen wie diesen zurück. Mit all der Unsicherheit und den alten Verletzungen. Und darunter liegt nichts als die Frage: Bist du jetzt bereit, es anders zu machen, und beharrlich in die richtige Richtung zu gehen, obwohl du das Ende noch nicht sehen kannst?“

Dieser Prozess räumt in uns auf. Er macht Platz für das Neue. Er fragt uns, was wir gelernt haben, damit wir neue Erfahrungen machen können. Er ist keine Phase des Zurückfallens, er ist eine Phase, in der WIR entscheiden, was schlecht war, was wir nicht mehr sein wollen und was dafür an die neue Leerstelle in uns treten soll. Und wir sind in diesem Prozess immer weiter als wir glauben, auch wenn es aus unserer begrenzten Perspektive anders aus sieht.

Wenn jetzt also diese Stimme kommt und fragt: „Was wenn du doch nicht gut genug bist?“, dann tut sie das nur, um zu sehen, ob wir noch einmal auf sie hereinfallen.

Ich habe das nicht vor. Und du?

Wir sind die Herr*innen unserer eigenen Limitierungen. Wir bestimmen, ob es weitergeht oder nicht, ob wir uns weiterhin zurückhalten lassen. Jeder einzelne Schritt voran kann sich in diesem Moment wie Zwang oder Qual anfühlen. Aber er geht nach vorne, nicht zurück. Das zählt, das macht uns in der Rückschau stolz.

Wir alle wissen doch, dass unser Leben aus genau solchen Phasen besteht. Wir haben sie schließlich oft genug mitgemacht. Je hartnäckiger, beharrlicher und ruhiger wir aus diesen Phasen hervorgehen, desto besser ergeht es uns beim nächsten, unweigerlich folgenden Hoch. Und irgendwann setzt der Lernprozess ein, der uns klarmacht, wie stark wir eigentlich wirklich sind, dass wir mit allem umgehen können. Dann werden die Phasen des Selbstzweifels endlich kleiner, kürzer, weniger, hören auf. Meine sind schon klein und tuen trotzdem noch genauso weh. Aber das sie so selten sind und ich besser mit ihnen klar komme, lässt mich vorwärts gehen, mit erhobenem Kopf.

Sei ein kreativer Boss!

Die Goldader

Was mich immer wieder motiviert, ist ein Geschichte aus Napoleon Hill’s Mindset-Klassiker „Denke nach und werde reich“ (ein Muss für Kreative, denen eine Portion „Ich muss und kann es schaffen“ fehlt). Hill erzählt dort von einem Vorfahren, der in der Zeit des amerikanischen Goldrausches eine ergiebige Goldmine ergattert hatte. Doch wie war eines Tages erschöpft und er war gezwungen weiterzusuchen. Weil ihm das nötige geologische Wissen fehlte, leider ohne Erfolg. Und so gab er – nachdem er sich durch Material- und Gerätekäufe völlig überschuldet hatte – wortwörtlich drei Schritte von der Goldader entfernt auf. Der Mann, der ihm seinen Claim günstig aufkaufte, bewies mehr Durchhaltevermögen und wusste, wie Goldadern im Boden verlaufen. Er ist dadurch reich geworden.

Wir müssen uns beweisen, was wir draufhaben, damit der Zweifel endet.

Wir alle wissen doch genau, wo wir hinwollen. Und eigentlich wissen wir auch, wie wir es erreichen können. Manchmal müssen wir ein wenig nacharbeiten, uns weiterbilden, eine Schüppe Durchhaltevermögen drauflegen. Aber das nächste Ziel ist schon ganz nah. Einen Meter unter deinen Füßen liegt die Goldader. Gräbst du weiter? Oder packst du ein und verkaufst deinen Claim unter Wert?

Für alle, die jetzt die Spitzhacken rausholen, Proviant anlegen und die Ärmel hochkrempeln: Wir sehen uns auf der anderen Seite!


Der Klassiker für alle, denen es noch an Mut und der richtigen Einstellung zum Verkaufen ihrer kreativen Produkte fehlt.

Napoleon Hill zeigt, dass es sich lohnt, Herausforderungen anzunehmen und Probleme zu überwinden. Alles, was wir dafür tun müssen, ist umzudenken.


Ich freue mich, von dir zu hören! Hast du gute Strategien, um Frust und Unzufriedenheit zu besiegen?


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Leserunde zu „Die Prinzessin der Toten 1“ auf LovelyBooks

„Berlin Monsters“, meine brandneue Dark Fantasy-Saga ist da! Und um sie gebührend zu feiern, gibt es eine Leserunde bei LovelyBooks! Gewinnt eins von 30 Büchern!

Erlebt Machtkämpfe, Liebe, Freundschaft und Intrigen zwischen Game of Thrones und Der Pate in gleich zwei dystopischen Varianten von Berlin, die die heutige Stadt in den Schatten stellen.

Ihr habt Lust auf magische Welten, wie Ihr sie noch nie erlebt habt? Eine Welt, in der Bandenkriege und Arenakämpfe zum Alltag gehören? Und eine Welt, in der das Neue Reich die dreckige Arbeit des Dritten Reiches unserer Geschichte fortsetzt? Auf junge Helden, denen Liebe und Freundschaft alles bedeutet?

Melde Dich bis zum 28.3.2019 an und gewinne deine persönliche Ausgabe!

Ich freue mich riesig darauf, das Buch gemeinsam mit Dir zu lesen!

>Hier geht’s zur direkt zur Leserunde!<

Weltfrauentag – Wie Autorinnen und Kreative die Welt verändern

(Dieser Beitrag erschien auch auf meiner Autorenwebsite)

Heute muss ich euch ein Geheimnis verraten: es gab Zeiten, da fand ich es nicht so super wichtig, für Frauenrechte einzustehen. Und es gab Zeiten, da konnte ich die Bücher anderer Autorinnen nicht lesen, weil ich sie durch die Bank furchtbar fand.

Das waren Zeiten, in denen mein eigenes Selbstbewusstsein winzig klein und es für mich bequem war, so zu denken. Ich habe von mir selbst und meiner kreativen Arbeit zu wenig gehalten, um andere Frauen unterstützen zu können.

Heute sehe ich das anders.

Ich sehe, dass sich gesellschaftlich zwar einiges getan hat, aber ich sehe auch, dass Frauen nach wie vor in vielerlei Hinsicht benachteiligt werden und sich darüberhinaus selbst viel zu wenig zutrauen. Wir können nicht nach Gleichberechtigung schreien und andererseits glauben, dass wir als Frauen ohnehin nichts erreichen können.

Wir leben heute in Zeiten, in denen jeder Mensch alles erreichen kann. Ganz unabhängig davon, woher er kommt und was er hat. Wie? Durch eine positive Haltung und Determination. Das gilt besonders für Mädchen und Frauen.

Gerade deshalb brauchen wir starke Vorbilder, die es für Mädchen und Frauen erstrebenswert machen, selber stark zu sein und etwas erreichen zu wollen. Wir brauchen solche Vorbilder im öffentlichen Leben, in Führungspositionen, in den Medien, in Filmen und in Büchern. Und im letzten Punkt sind wir als Autorinnen und Leserinnen gefragt!

Mir fällt auf, dass meine drei allerliebsten Lieblingsbücher aller Zeiten (#drallze TM) eines gemeinsam haben: sie alle haben starke Protagonistinnen!

Ich mag Prinzessinnen, die sich selber retten können.

Und die sich trotzdem verlieben. Und stark genug sind, um nicht nur sich selbst, sondern auch noch ihre Männer rauszuhauen.

Ich kann die Rückkehr dieser von Autorinnen selbst propagierten Macholiteratur, in denen Frauen ihre gesamte Macht an ihren Liebesgefährten abgeben, einfach nicht ertragen! Männer sind nicht auf dieser Welt um uns Frauen zu retten oder um überholte Rollenklischees zu erfüllen. Wir alle sind hier um uns gegenseitig zu unterstützen und zu fördern.

In den drei Romanen auf dem Foto geht es um junge Frauen, die ihr eigenes Potenzial erkennen, handeln – völlig selbstständig – und ihre Ziele so erreichen. So muss das sein! Wir Mädchen und Frauen brauchen solche Vorbilder in Büchern genauso wie im echten Leben!

Ich liebe diese Themen auch in meinen eigenen Büchern. Weil sie mir ein tiefes Bedürfnis sind. Ich mag Lovestories, ich mag es, wenn sie nur so vor Pathos triefen. Ich brauche das in meinen Büchern. Aber ich brauche keine Prinzessinnen, die gerettet werden müssen. Meine Frauenfiguren dürfen schwache Momente haben – genauso wie meine Männerfiguren das auch dürfen. Sie dürfen sich ihrer Machtlosigkeit in bestimmten Situationen voll bewusst werden – um dann Auswege finden zu können. Wie im realen Leben.

Manche Widrigkeit brauchen wir, um sie besiegen zu können.

Das ist Leben.

In London Hades kämpft meine Heldin Frances sich durch ein frauenfeindliches London im Jahre 1749, das ihren geliebten Matthew verschluckt zu haben scheint. Obwohl sie nichts über die Stadt weiß und völlig ahnungslos in diesen Moloch tritt, nimmt sie es im Laufe des Buches mit der gesamten Dunkelheit auf, die das London der damaligen Zeit zu bieten hat. Oh, sie bekommt dabei männliche Hilfe – von dem schwulen Stricher Henry… Aber das, was sie im Laufe der Geschichte erreicht, schafft sie ganz allein.

In meiner aktuellen Fantasyserie Berlin Monsters treffen mehrere, sehr unterschiedliche Frauenfiguren auf gleich zwei dystopische Welten, die die Chance der Gleichberechtigung von Frauen längst verspielt haben. Dieses Thema hat sich bei der Arbeit mit meinen Protagonistinnen irgendwann so weit verselbstständigt, bis mir bewusst wurde, was für ein wichtiges Anliegen es für mich persönlich ist. Lana, meine Hauptprotaginistin, will aus der ihr auferlegten Rolle als Henkerin Berlins und der Abhängigkeit von ihrem mächtigen Vater ausbrechen. Bei ihrer Rebellion gegen geltende Rollen- und Machtklischees ist ihr zu Anfang jedes Mittel recht. Das wird sich im Laufe der Geschichte ändern… Aber ich will hier nicht spoilern. Wichtig ist die Prämisse von Berlin Monsters: Liebe und Freundschaft und besiegen den Tod.

In welche Richtung gehen wir?

Glaube ich, dass sich unsere Welt im Moment in diese frauenfeindliche, national gesinnte Richtung entwickelt? Das diese Zukunft auf unserer Erde tatsächlich denkbar ist?

Nein.

Weil wir Frauen in den vergangenen 100 Jahren mehr gelernt haben, als unsere Korsetts abzulegen. Weil wir immer mehr begreifen, wie wichtig es ist, gegen all die Traditionalist*innen da draußen zusammenzustehen, die glauben, dass sich unsere Welt nicht verändern müsste und sollte. Weil wir heute wunderbare Kommunikationsmöglichkeiten haben, die uns quer durch die Welt vernetzen. Ich sehe heute so viele Frauen und Mädchen handeln und mutig für Themen einstehen, die ihnen wichtig sind.

Unser Handeln ist unsere Macht! Unser Verstand ist unsere Macht. Es ist unsere Pflicht für uns selbst zu denken, uns zu informieren und unsere eigene Meinung zu bilden.

Auf einem Buch aus dem 1920er Jahren habe ich diese Buchwerbung entdeckt. Bitte beachtet, wer hier die Kulturträger sind: bedeutende Männer. Mit einer Ausnahme: Königin Luise (auch 100 Jahre später noch als Gutmensch sehr verehrt)! Obwohl es auch in den 1920ern schon deutlich wichtigere Kulturträgerinnen aufzuführen gegeben hätte.

WIR sind Kulturträgerinnen!

Macht euch klar, dass ihr, liebe Autorinnen und Kreative, heute Kulturträgerinnen seid. Ihr bestimmt das Bild, das von unserer Zeit in 100 Jahren übrig bleibt. Wie soll es aussehen?

Ich bin lieber eine neue Suffragette, anstatt tatenlos mitanzusehen, wie gierige Pharmakonzerne und rückwärtsgewandte Politiker*innen (um nur einige zu nennen) unsere gemeinsame Welt ruinieren.

Lasst uns über Themen schreiben und sprechen, die uns wichtig sind, Mädels. Lasst uns starke Heldinnen erschaffen, die anderen Frauen Mut machen. Und lasst uns selbst solche Heldinnen sein!

Wir können das. Einzeln, für uns, und alle zusammen!



Ich freue mich von dir zu hören!
Lass mich wissen, was du denkst, wer deine Vorbilder sind und was du über das Thema denkst. Wie sehen deine Erfahrungen aus? Ich bin gespannt, auf deinen Kommentar!


Mehr Inspiration im Schreibrebellen Schreibratgeber!
Panik, Angst und Schreibblockade? Schreibrebellen finden erste Hilfe in diesem besonderen Schreibratgeber. Rettet deinen Verstand. Und dann deinen Text!


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© 2019 Stefanie Dettmers. Alle Rechte vorbehalten!

Kreative Träume leben – Was du mit 40 nicht bereuen willst

Alle reden vom Lebensende, an dem wir besser nichts zu bereuen haben. Ich rede von der Lebensmitte. Denn sie ist es, die unserem kreativen Leben die richtige Richtung geben kann. In der Mitte ist noch alles offen. Erst am Ende ist es wirklich vorbei.

Das soll ich jetzt schon entscheiden?

Sicher bist du auch schon mal über dieses Thema gestolpert: xx Dinge, die Menschen am Ende ihres Lebens bereuen. Es gibt Dokus, YouTube-Videos und Bücher zu diesem Thema. Lifecoaches raten dazu, sich frühzeitig die Frage zu stellen, welche Erlebnisse und Errungenschaften man am Ende seines Lebens nicht verpasst oder erreicht haben will und sie dann tatsächlich umzusetzen.

Das Problem damit ist: Das Ende unseres Lebens ist so weit von unserer alltäglichen Realität entfernt und der Gedanke, in unserer aktuellen Lebenssituation so weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen, höchst beängstigend. Was wenn wir die falsche Entscheidung treffen?

Das Lebensende taugt sicherlich als ultimativer Lehrmeister. Einen sehr viel greifbaren Punkt stellt jedoch unsere Lebensmitte dar.

Ich wünschte, mir hätte spätestens in der Uni jemand geraten, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich mit 40 dastehen möchte – also nicht am Ende, sondern in der Mitte meines Lebens.

Denn glaubt mir, Leute, es gibt erstmal nichts Erschreckendes, als in der Lebensmitte angekommen zu sein und festzustellen, was wir alles nicht erreicht haben. Obwohl wir doch so große Träume hatten!

Unsterblichkeit …

In unseren 20ern und 30ern halten wir uns meist noch für unsterblich. Das Ende ist so weit weg und wir scheinen so viel Zeit für alles zu haben. Das ist auch wichtig und richtig, denn das Ende IST weit weg und wir HABEN viel Zeit für alles.

Die Beschäftigung mit der eigenen Lebensmitte hingegen macht uns schon in diesen Jahren Angst. Nichts ist so sehr mit dem Vorurteil von Verfall in allen Lebensbereichen (nachlassende Jugend, Attraktivität, Aktivität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit) behaftet, wie die Zeit zwischen unserem 40. und 50. Lebensjahr. Besonders für Frauen ist sie ein Horrorszenario. Denn während wir Männern zumindest gedanklich einen Freibrief zum reifer und besser werden ausstellen, droht Frauen ab 40 der Abstieg in die Liga der Unsichtbaren. Falten, graue Haare, alt werden – wer hat da schon Lust drauf?

Wenn dann noch hinzukommt, dass wir mit 40 feststellen, dass wir tatsächlich nicht genug erreicht haben, immer noch weit von unseren kreativen Zielen entfernt und nicht angekommen sind, kann die viel beschriene Mid-Life-Crisis ihre Zähne besonders tief in unser Fleisch schlagen.

Ich weiß, dass sie ziemlich tief in meinem Fleisch gesteckt haben.

Und das hätte nicht sein müssen.

Die Perfektionismus-Falle

Gerade Künstler und sensible Menschen mit ihren hohen Ansprüchen an Perfektion verschieben viele Träume / Projekte / Jobs gerne auf später.

Nicht zu handeln befreit uns von der Angst, diese Dinge schlecht zu machen oder sogar dafür ausgelacht zu werden. Wir halten uns so unbewusst die Möglichkeit offen, sie doch noch perfekt machen zu können – nur halt später. Das Problem ist: wir verlieren dabei aus den Augen, dass genau diese Aufschieberitis und Prokrastination zu späterer Reue führen.

Wir haben in unserer ersten Lebenshälfte die Möglichkeit alles auszuprobieren und zu tun, worauf wir Lust haben. Idealerweise stellt sich bei der einen oder anderen Tätigkeit heraus, dass sie genau unser Ding und das ist, was wir mit unserem Leben anfangen wollen. Oder eben nicht. Durch Trial-and-Error-Prozesse finden wir heraus, wohin unser Lebensweg führt, was wir lieben, was wir hassen. Mir ist z.B. schon sehr früh aufgefallen, wie viel Spaß es mir macht, Geschäftsfrau zu sein.

Wir sollten vermeiden, die Projekte, auf die wir wirklich Lust haben, gar nicht erst in Gang zu setzen, weil wir glauben sie – noch nicht – perfekt genug zu beherrschen. Es gibt eine perfekte Zeit, um Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen, und die ist … IMMER! Es lohnt sich jedoch, frühzeitig, mit dem Trial-und-Error-Prozess zu beginnen, denn erfahrungsgemäß fallen die meisten unserer Fehler in unseren 20er und 30er Jahren noch etwas harmloser aus. Ausprobieren sollte immer spielerisch sein!

Fehlerliebe

Fehler zu machen, ist das Beste, das uns passieren kann! Unsere Gesellschaft braucht eine neue Fehlerkultur, die Fehlschläge umarmt, anstatt sie zu fürchten. Fehler sind unsere besten Lehrmeister. Und die großen Katastrophen unseres Lebens fungieren oft nur als Rausschmeißer aus einer Situation, die schlecht für uns ist. Sie sind Türöffner für ein besseres Leben.

Aus Genügsamkeit (und oft auch aus Bequemlichkeit) akzeptieren wir unendlich viele schlechte Situationen, warten jahrzehntelang auf eine Beförderung, machen unbezahlte Überstunden, scheuen uns vor einem Jobwechsel, gründen nicht unsere eigene Firma, verfolgen nicht den Traum vom eigenen Buch, reiben uns in (Brot-)Job und Familie auf, anstatt in jeder freien Minute daran zu arbeiten, unsere Traumkarriere zu starten.

Vom Himmel gesandte Krisen

Und dann macht plötzlich die Firma pleite, die wir nicht verlassen wollten. Oder eine Kündigung trifft für uns die Entscheidung. Eine Steuerprüfung macht das Business kaputt, das wir aufgebaut haben, mit dem wir aber schon lange nicht mehr zufrieden waren. Eine Krankheit zwingt uns, umzudenken. Das sind die Scheidepunkte in unserem Leben, in denen uns das Schicksal dazu bringt, die eingefahrene Wege zu verlassen, die wir nicht aus eigener Kraft verlassen können. In solchen Momenten hilft nur positiv nach vorne zu schauen und die Chance anzunehmen, etwas Neues auszuprobieren, um daran zu wachsen.

Gab / gibt es schon solche Krisen in deinem Leben? Frage dich, was sie dir sagen woll(t)en, wo du unzufrieden bist, was du dadurch verändern kannst und dann verändere es. Fragen wie „Warum immer ich?“ kannst du dann abhaken. Die Antwort darauf lautet immer: „Weiterentwicklung und Wachstum“.

Risk it!

 Zitat von Veit Lindau

Wenn du Bücher schreiben willst, als Musiker durchstarten, als Maler groß rauskommen, tue es mit allen Konsequenzen. Probiere alles aus, was dir auf diesem Weg in den Sinn kommt. Schreib Verlage an, organisiere Ausstellungen, spiele Gigs – selbst wenn nur deine Freunde kommen und bloß deine Oma dein Manuskript lobt, hast du aus der Arbeit, die du getan hast, etwas gelernt. Und idealerweise den Ehrgeiz, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Das Einzige, das uns im Leben wirklich weiterbringt, ist eine konsequent positive Einstellung, und die umfasst auch, in jedem Fehlschlag etwas Gutes zu sehen. Das bietet
uns die Möglichkeit zu großem Wachstum. Statt Fehlschläge in uns hineinzufressen und uns zu verkriechen, sollten wir sie feiern, weil sie uns weiterbringen.

Was ich bereut habe

Ich habe mit 40 bereut, dass ich das nicht getan habe. Ich habe mich von meinen vermeintlichen Fehlschlägen zurückwerfen lassen. Sie waren mein Beweis dafür, dass ich bestimmte Dinge schlicht und ergreifend nicht konnte – anstatt sie als Beweis dafür zu begreifen, dass ich bestimmte Dinge eben NOCH nicht konnte und einfach darin besser werden musste. Aus Bequemlichkeit und Angst vor der Ungewissen habe ich mich geweigert, Neues zu lernen und über meinen Tellerrand hinauszuschauen.

Ich habe mit 40 ganz konkret bereut, nicht mehr Bücher veröffentlicht zu haben. Oh, ich wusste genau, dass ich es hätte tun können. Schließlich hatte ich bereits ein erfolgreiches Geschäft gegründet, in das zu dieser Zeit ein Großteil meiner kreative Energie floss. In meine Lieblingsbeschäftigung, ins Schreiben, floss hingegen kaum welche. Warum? Weil es mich umgebracht hätte, in diesem Bereich zu scheitern! Wenn mein Geschäft gefloppt wäre? So what? Es gab genug neue Geschäftsideen. Aber der Traum von einem Leben als Schriftsteller? Wenn ich hier die falschen Abzweigungen genommen oder Fehlentscheidungen getroffen hätte, gar als zu schlecht entlarvt worden wäre, dann wäre das mein emotionaler Tod gewesen.

Also habe ich lieber nichts getan und weiter im stillen Kämmerlein vor mich hingewerkelt. Und so kam es, wie es kommen musste: Mit 40 stand ich da und fühlte mich grenzenlos schlecht. Das Leben hatte mich durch einige Krisen gejagt und ich das Gefühl nichts erreicht zu haben. Aus meinem lebenslangen Traum, Schriftsteller zu werden hatte ich nichts gemacht.

Newsflash: Mit 40 ist dein Leben nicht zu Ende!

Die gute Nachricht ist: wenn du dich mit 40 in derselben Situation wiederfinden solltest, bedeutet das nicht, dass es vorbei ist versagt hast, sondern dass du eine einzigartige Chance hast, die Dinge, von denen du immer geträumt hast JETZT zu tun. Und zwar besser als je zuvor.

Zum Glück leben wir heute in einer Gesellschaft, in der wir in jedem Alter alle Möglichkeiten haben. Wir können noch mit 80 eine Firma gründen, einen Marathon laufen, Skifahren lernen, YouTube-Star werden. Wie? Indem wir es einfach machen. Und indem wir authentisch sind. Indem wir unseren Träumen folgen. Je schneller wir damit anfangen, uns zu fragen, was wir WIRKLICH lieben und machen wollen, desto besser, weil wir dann viel mehr Zeit haben, den ganzen Ritt zu genießen.

1 – 2 – GO!

Es gibt keinen Grund, vor der Lebensmitte Angst zu haben. Dass es ab 40 mit uns bergab geht, ist eine gesellschaftliche Lüge, die noch aus Zeiten stammt, in denen das Leben mit 40 wortwörtlich vorbei war. In unserer Lebensmitte sind wir so gut wie nie zuvor. Sie zeigt uns lediglich, an welchem Punkt wir angelangt sind und wie es nun weitergehen soll – mit doppelter Kraft und Wissen! Wenn bisher alles spitze lief, dann weiter so! Nicht für alle ist die Lebensmitte ein erschreckender Spiegel der eigenen Untätigkeit. Wenn du rechtzeitig die Weichen gestellt hast, wird die 40 für dich ein Fest! Und wenn nicht, gib deinem Leben einen sanften Wechsel in eine Richtung, die besser wiederspiegelt wer du bist.

Nur wenn du Energie in die Verwirklichung deiner Träume investierst, veränderst du deine Situation.

Wenn du jetzt in deinen 20ern oder 30er bist: Worauf wartest du noch? Willst du mit 40 Jahren vor dem Spiegel stehen und darüber jammern, wie alt du geworden bist und wie viel sexier du hättest aussehen können, wenn du schon mit 30 Beststellerautor*in geworden wärst? Willst du bereuen, dass dein Backcatalog an Musiktiteln, Bildern, Büchern nicht VIEL größer ist?

Nein.

Dann tu ab jetzt alles dafür, damit er wächst. Denkst du nicht schon in diesem Moment an konkrete Schritte, die du sofort unternehmen könntest?

DEIN Leben, DEINE Regeln

Ganz wichtig: Du kannst keine Rücksicht auf deine Ängste und Selbstzweifel nehmen, denn das hier ist dein Leben.

Unsere Komplexe reden wir uns selbst ein.

Unsere Ängste halten uns auf und kosten uns Zeit.

Ich wünschte, ich hätte weniger Zeit darauf verschwendet, mich für schlecht, unzulänglich und schüchtern zu halten, und mehr darauf, zu publizieren. Denkst du genauso?

Selbst wenn mir Fremde früher gesagt haben: „Ich habe Sie gar nicht als schüchtern erlebt“, habe ich bloß verwundert den Kopf geschüttelt und ihre Auffassungsgabe in Frage gestellt, nicht meine.

Woher willst du wissen, ob du wirklich zu schüchtern bist, wenn du gar nicht erst versucht hast, alles in deine Karriere zu investieren? Woher willst du wissen, was du wirklich kannst, wenn du es gar nicht ausprobiert hast?

Auf meine erste Runde an Verlagsanschreiben habe ich 30 Absagen bekommen – und dann das Angebot einer Literaturagentur, die meine Texte liebte und mich vertreten wollte.

Handle in deinem eigenen Interesse

Was willst du mit 40 nicht bereuen müssen? Wo verschwendest du heute Zeit? In welche Projekte, Jobs, Ausbildungen investierst du dich, deine Aufmerksamkeit, deine Talente, die nicht deinen Träume entsprechen, sondern lediglich der Absicherung dienen? In welchen Lebensbereichen hast du dich von der Meinung anderer Leute abhängig gemacht? Wenn du solche Schwachpunkte ausmachst, ist es leicht gegenzusteuern. Es ist genauso einfach, wie der vielzitierte Spruch „Tu mehr von dem, was dich glücklich macht.“ es klingen lässt.

Egal wie ätzend dein Brotjob ist, wie sehr du dein Studium hasst, finde Wege, um Schritt für Schritt mehr Dinge zu tun, die dich wirklich glücklich machen, z.B. Bücher schreiben. Ist gibt immer welche!

Trotz vieler positiver Seiten, habe ich mein Lehramtsstudium gehasst. Zwar mochte ich meine Fächer, Deutsch, Textilgestaltung, Erziehungswissenschaften, selbst bestimmte Aspekte von Mathematik, die Möglichkeit etwas Hilfreiches zu tun, aber nicht die Perspektive, mich innerhalb des Schulsystems kaum weiterentwickeln zu können. Erst als ich in kleinen Schritten meine eigene Firma gegründet und dann meine Fachrichtung hin zur Archäologie gewechselt habe, hatte ich das Gefühl, mich selbstbestimmt ausleben zu können. Ich hatte plötzlich alles, was mir Spaß machte: Wissenschaft, Publikation und Kostümgeschichte (mein Unternehmen Nehelenia Patterns verkauft und produziert

Schnittmuster für historische Bekleidung). Und die Richtung konnte ich selbst bestimmen. Jahre später habe ich dann endlich auch die richtigen Entscheidungen für mein Schriftstellerleben getroffen.

Auch wenn deine Lebenssituation festgefahren oder ausweglos erscheint: Es gibt immer Möglichkeiten, sich herauszulösen – egal was deine Eltern, deine Familie oder andere Menschen in deinem Umfeld sagen und egal wie deine finanzielle Situation aussieht*. Es ist DEIN Leben und DEIN Glück. Du bist der-/ dienjenige, die es später bereuen wird, nicht in deinem eignen Interesse gehandelt zu haben.

Es kommt nicht darauf an, wie alt du jetzt gerade bist. Von nun an hast du keine Zeit mehr, dich mit erfunden Ausreden herauszuwinden. Ab jetzt nutzt du jeden möglichen Augenblick, um deine Träume zu verfolgen.

Es gibt immer ein Später.

Aber später ist auch immer der Augenblick, an dem wir bereuen, etwas nicht getan zu haben. Jetzt ist der Augenblick um damit anzufangen, damit du später nichts zu bereuen hast.

Was genau waren das nochmal für Dinge, die du eigentlich nicht tun kannst, weil dir das Geld, die Zeit, die Zustimmung deiner Familie oder die Fähigkeit, das Talent fehlen?

Keine Ahnung. Waren da welche?

Ich weiß nur, was mir lange Jahre gefehlt hat: der Mut und der Wille dazuzulernen.

* Zu den Themen Finanzen und wie du die Dinge geregelt kriegst plane ich weitere Blogbeiträge. Wenn du sie nicht verpassen willst, abonniere meinen Newsletter und ich halte dich auf dem Laufenden.

Veit Lindaus Buch „Werde verrückt“* hat mir damals sehr weitergeholfen, meine Träume vom Schreiben ernst zu nehmen und zu verwirklichen. Dieses Buch ist ein echter Motivationskick, Lebensretter und Karrierestarter!

Mein Review findest du hier!
Veit Lindaus Website

Dale Carnegies Klassiker „Sorge dich nicht – lebe!“* räumt deine letzten Selbstzweifel aus dem Weg. So logisch und leicht verständlich, dass du dich fragen wirst, warum du nicht längst selbst darauf gekommen bist!

Mein Review findet du hier!


Ich freue mich von dir zu hören!
Wie sehen deine Erfahrungen aus? Was willst du auf keinen Fall bereuen? Ich bin gespannt, auf deinen Kommentar!


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